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Unter »Schonhaltung« kann sich jeder das entspannt zurückgelehnte Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen und der inneren Einstellung »mal sehn was kommt« vorstellen - die typische Haltung des Fernsehzeitalters. Es gibt aber ein Leben nach dem Fernsehen und ganz sicher gab es auch schon eines vorher. Im Laufe dieses Lebens bildet jeder Mensch ein Ausdrucksverhalten - und damit eine »Ökonomie des Gefühlshaushaltes« - aus, das er in der Wechselwirkung mit seiner Umgebung als effektiv erlebt.
Die Mehrzahl bleibt damit in unauffälligem Rahmen. Die Körpersprache funktioniert in Sozialverbänden wie der Körper selbst: nur wenn wir krank werden, nehmen wir ihn bewusster wahr. Solange er »gesund« - also ausbalanciert - ist, bemerken wir die enorme Menge seiner ständig ablaufenden komplexen Vorgänge nicht.

Auf Behinderungen und Einschränkungen, wie z.B. einen vertretenen oder bandagierten Fuß stellen wir uns früher oder später ein und finden eine passende »Schonhaltung«. Solche manchmal schmerzhaften Anpassungsprozesse durchläuft unser Ausdrucksverhalten in unsrer sozialen Umgebung in jungen Jahren. Und es entstehen unterschiedlichste »Schonhaltungen«:
Manche Kinder reagieren auf den Leistungsdruck in der Schule und auf die damit verbundene Angst vor dem Versagen, indem sie sich zum »Klassenclown« entwickeln und sich so ein gewisses soziales Ansehen bei ihren Mitschülern sichern. Sie haben eine Rolle gefunden, und zu dieser Rolle gehören Handlungen wie das Grimassieren und Witzereißen, die im Klassenverband zum Ritual werden. Rituale und Rollen bedingen sich gegenseitig, sie festigen den Sozialverband - in diesem Fall die Klasse.
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