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Gedächtnis und Gefühle Wir lernen mit dem ganzen Körper - er ist unser Gedächtnis in den lebenslangen Interaktionen mit der Welt.

Natürlich sind die Wechselwirkungen zwischen Mutter und Säugling besonders tief und elementar. Die Grundbedürfnisse der Kleinsten und damit auch ihre Gefühlsregungen und Ausdrucksformen sollten sich kaum unterscheiden, zeigen aber doch schon individuelle Züge. Mienen und Laute müssen Sie nicht "lernen" oder "üben"; ihre Gefühlsäußerungen sind klar und eindeutig und werden von den Müttern - besonders den eigenen - ebenso spontan und sicher verstanden. Zeitlupenaufnahmen zeigen, wie dramatisch Mütter aller Kulturen, Hautfarben oder Altersgruppen auf die Äußerungen ihrer Babies reagieren. Schon früh entwickelt sich bei diesen ein »situatives Gedächtnis«: führt z.B. ein bestimmtes Ausdrucksverhalten zum Erfolg, dann wird es mit der Situation verbunden.

Die Qualität des Umgangs mit den Säuglingen und Kleinkindern entscheidet mit darüber, wie schnell und differenziert sich komplexe Abläufe des Ausdrucksgeschehens entwickeln können, wie die Anlagen sich entfalten. Blinde Kinder werden die Mienen weniger ausbilden können, weil der Wechsel von Aktion und Reaktion für sie visuell nicht wahrnehmbar ist. Dennoch sind alle Mienen auch bei ihnen vorhanden - sie treten nur viel schwächer hervor.
Das situative Gedächtnis ist noch an kein Zeitgefühl gebunden. Wenn die Mama geht, erhebt das Kind - egal ob es für einen Augenblick oder für immer ist - das gleiche Geschrei . Die Erfahrung "sie kommt ja wieder" spielt für das Verhalten erst viel später eine Rolle. Die Differenzierung hängt aber nicht allein von der Umgebung ab. Die Anlagen entfalten sich auch relativ unabhängig - es werden eben nicht nur »Pawlowsche Reflexe« entwickelt. Dass Geschrei erwünschte Reaktionen bewirkt - das "verstehen" Kinder lange bevor es ihnen bewusst sein könnte; sie verlassen sich aber gottlob nicht allein darauf.