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Schule: Soziotop fürs Leben Die schulische Umgebung beeinflusst in tiefem Maße, wie sich Gefühle, soziale Rituale und Rollen mit Sprache verbinden.

Wir wissen heute, dass der Mensch auch die Anlage zum Sprechen mitbringt. Aber während Gefühl und Ausdruck im Stammhirn gekoppelt sind, muss das Sprachzentrum im Großhirn durch zusätzliche Lern- und Trainingsarbeit aktiviert werden. Auffällig ist bei Kleinkindern daher, dass das Sprechen mit allgemeiner körperlicher Anspannung einher geht und erst allmählich zwanglos in das Ausdrucksgeschehen des ganzen Körpers integriert wird.

Das Problem läßt sich am »auswendig gelernten« Text illustrieren: der gedankliche Inhalt ist nicht - wie beim geübten Schauspieler - mit einem Gefühlsinhalt verbunden. Er wirkt »aufgesagt« oder wird »heruntergeleiert«. Gedanken und Gefühl oder - anders ausgedrückt - inhaltliche Situation und situatives Gedächtnis sind inkongruent. Manche Redner versuchen diesem Dilemma dadurch zu entgehen, dass sie - wie einst Adolf Hitler - Gesten, Mienen und Tonfälle einüben, um emotionale Wirkungen auf die Zuhörer zu erzielen.
Hier wird klar, wie sehr ihr Erfolg von den Erwartungen, der »Antizipation« des Publikums abhängt Das Gespür für diese Erwartung verhilft Schauspielern ebenso zum Erfolg wie Politikern.

Das grobe Pathos, die Emphase, der aggressive Furor, mit denen der »größte Führer aller Zeiten« Tausende mitriss, wirken auf die meisten von uns heute abstoßend. Aber die eingeübten und in ihrer Wirkung von Hitler vielfach erprobten, äußerst massiven Formen emotionaler Äußerung waren authentisch. Und sie entsprachen dem vorhandenen Wunsch nach einer starken Führerfigur - und tun es z.T. noch heute.